Legasthenie oder LRS?

Legasthenie (Primärlegasthenie) ist eine spezifische Problematik normal intelligenter Kinder beim Lesen und/oder Schreiben, ohne dass dafür eine äußere Ursache erkennbar ist (z.B. physische Seh- oder Hörprobleme, psychische Belastung, Versäumnisse in der Schule etc.). Oftmals finden sich in der Familie weitere Fälle.

 

Im Gegensatz zur Legasthenie ist die LRS (Lese-/Rechtschreibschwäche) erworben. Sie kann durch bestimmte Ereignisse im Leben eines Kindes hervorgerufen werden. Es handelt sich um ein "erklärbares" Problem beim Lesen- und/oder Schreibenlernen, welches durch besondere Lebensumstände oder Belastungen (Krankheit, Schulwechsel, Verlust, Scheidung etc.) hervorgerufen werden kann. Entspannt sich die Situation für das Kind wieder, kann sich dieses Lernproblem durch gezielten sprachlichen Aufbau allmählich abschwächen. Man spricht daher auch von einer "vorübergehenden Lese-Rechtschreibschwäche".

 

Wie zeigt sich Legasthenie? Lese-/Rechtschreibstörung oder -schwäche?
Wenn Ihr Kind über einen längeren Zeitraum größere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens zeigt, insbesondere beim Zusammenziehen der Silben, wenn später das Lesen immer noch sehr unsicher ist und/oder die Rechtschreibung trotz durchschnittlicher Begabung erheblich unter dem Durchschnitt liegt, sollten Sie aufmerksam werden. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Leistungen in den anderen Fächern durchschnittlich oder besser sind. Auch diese Leistungen können durch die legasthenen Störungen und ihre Auswirkungen bereits beeinträchtigt sein.

 

Eine Lese- und Rechtschreibproblematik ist nicht selten. In jeder Schulklasse sitzen statistisch gesehen mindestens zwei bis drei Kinder.

Eltern oder Lehrer trifft daran keine Schuld!

Früherkennung:

  • Probleme, die Struktur der gesprochenen Sprache zu erkennen (phonologische Bewusstheit)
  • Anfangs-, End-, und Mittellaute werden häufig nicht erkannt (H-A-S-E)
  • Reime zu Wörtern finden fällt schwer (Hase-Vase)
  • Wörter in Silben sprechen  (Ha-se) oder diese zu Wörtern zusammensetzten 
  • Schwierigkeiten in der Sprach-Laut-Unterscheidung (detommen statt gekommen)
  • Probleme in der auditiven Merkfähigkeit (Melodien oder Anweisungen)
  • Schwächen in der visuellen Informationsverarbeitung (Formen, Buchstaben oder Zahlen unterscheiden)

Mögliche Auffälligkeiten in der Schule:

Diese Kinder...

  • schreiben ungewöhnlich viele Wörter trotz häufigen Übens immer wieder falsch
  • lesen sehr langsam und fehlerhaft, ohne Sinnverständnis
  • können sich an Gelesenes nur schlecht erinnern
  • ziehen die Buchstaben nicht oder nur sehr stockend zu Silben und schließlich zu Wörtern zusammen
  • verwechseln häufig ähnliche Wörter und Buchstaben, z.B. formähnlich: oben statt Ofen, d statt b, g statt d, p statt q
  • verwechseln häufig ähnliche Wörter und Buchstaben, z.B. klangähnlich: g-k, w-f, d-t, b-p
  • lassen Vokale aus
  • verwechseln die Buchstabenfolge
  • verschlucken Endsilben
  • erraten viele Wörter nur aus dem Sinnzusammenhang
  • hören in den Wörtern die Einzellaute schlecht oder fehlerhaft (Reken statt Regen)
  • sprechen und lesen oft sehr undeutlich und ungenau und lassen Innenlaute aus
  • können längere Worte oft nicht genau nachsprechen
  • verkrampfen bei der Schreibhaltung
  • zeigen ein schlecht lesbares Schriftbild

...über einen längeren Zeitraum.

Wie kann Lerntherapie helfen?

Nach einem ausführlichen Gespräch und einer eingehenden Förderdiagnostik wird ein speziell auf die Schwierigkeiten Ihres Kindes abgestimmter Trainings- bzw. Therapieplan mit Förderschwerpunkten erstellt.

Sie erhalten zudem Anleitungen, wie Sie mit Ihrem Kind zu Hause arbeiten können und welche Fördermaterialien dafür gut geeignet sind. Es genügt nicht, nur an den Symptomen (Fehlern) zu arbeiten, sondern Ihr Kind benötigt zusätzlich auch ein Training in den Bereichen "Aufmerksamkeit" und "Sinneswahrnehmungen".

Sollten zusätzliche physische oder psychische Auffälligkeiten vorhanden sein, ist es in jedem Falle sinnvoll, weitere Spezialisten mit einzubeziehen. Jede Legasthenie/LRS und Dyskalkulie/Rechenschwäche ist anders ausgeprägt. Ihr Kind braucht daher auch eine individuelle Förderung. Nachhilfe in Deutsch oder bloße Rechtschreib-, Lese- oder Rechenübungen führen in der Regel nicht zum Ziel!

Damit Schule wieder Freu(n)de macht!

„Lernen geschieht nicht durch Druck, sondern durch Begeisterung.
Was berührt, vernetzt sich im Gehirn.“

Gerald Hüther, Hirnforscher